Jesus – „zu Betlehem geboren“ ?!
In diesen Tagenwerden wieder sehr viele Menschen in unsere Kirchen kommen, das Weihnachtsevangeliumhören und sehen. In die Krippe wird symbolisch das Jesuskind gelegt - und wirsingen "zu Betlehem geboren".
"Zu Betlehemgeboren" - ja so sagt es uns das Lukasevangelium.
Jesus, derverheißene Messias wurde in Betlehem in einem Stall geboren, und die Hirten aufdem Feld waren die ersten, die die Botschaft seiner Geburt von Engeln verkündetbekamen und zu ihm fanden.
So heißt es imLukasevangelium - aber auch nur dort.
Der EvangelistMatthäus weiß auch von der biblischen Verheißung, dass der Messias in Betlehemgeboren werden sollte, und hat stattdessen dann die Erzählung von denSterndeutern, die Jesus finden und ihm huldigen.
Doch wenn man dieEvangelien nun im Gesamten liest, wird man in den Kindheitserzählungen überJesus eine gewisse Widersprüchlichkeit feststellen, z.B. wie die Hl. Familiedenn gewandert ist. Und auch was die Zeitangaben der Evangelien angeht, scheinensie nicht so recht mit der historischen Chronologie zusammen zu passen.
DieseUnstimmigkeiten beschäftigen viele Theologen und Geschichtswissenschaftler. Sodass immer wieder - gerade vor Weihnachten - in Dokumentationen im Fernsehenund in Zeitungsberichten die Frage aufgeworfen wird:
Wurde Jesus dennjetzt überhaupt in Betlehem geboren -
oder vielleicht dochin Nazareth, wo er aufgewachsen ist ?
Dass er in Nazarethaufgewachsen ist, das ist wohl unumstritten.
Doch wie war es mitseiner Geburt ?
Die Evangelien, diedavon berichten, sind um ca. 80n.Chr. verfasst, also 50 Jahre nach Jesu Tod, 80 Jahre nach seiner Geburt. Unddie Menschen damals wurden bei weitem nicht so alt wie heutzutage.
Der Anstoß, dass überhaupt die Evangelien niedergeschrieben wurden, war aber der erwachsene Jesus. Erst mit etwa 30 Jahren tritt er überhaupterst in die Öffentlichkeit. Und die drei Jahre seines öffentlichen Lebens endenmit seinem Tod am Kreuz. Die Erfahrung der Auferstehung dann war für die Jüngerdas Ereignis, sich erneut zu sammeln und als Gemeinschaft zu "denChristen" zu werden (so nennt sie zuerst die Apg 11).
Die Kindheitserzählungen Jesu wurden für die Evangelisten interessant, um ein Gesamtbilddieses "Jesus von Nazareth" zu zeichnen, und herauszustellen, dass erder erwartete Messias sei.
Dazu verwendete mandie bekannten Zuschreibungen, die ein Messias inder der Zeit haben musste, und das war eben,dass er Nachkomme des Königs Davids war, und damit aus derStadt Davis, aus Betlehem, stammte, wie Verheißungen desAT vom Messias erwarten.
Ist es also so, dass Jesus vor seinem 30.Lebensjahr,in einer Zeit also,von der so gut wie nichts Historisches von ihm wissen, in Nazareth nicht nur aufgewachsen, sondern vielleicht auch dortgeboren wurde ?
Nun viele, gerade deutscheTheologen, favorisieren diese These, weil sie vieleSpannungen und Ungereimtheiten der Evangelien,dann leichtererklären lässt.
Ist es dann also falsch, zu singen "zu Betlehem geboren"?
Nun, ich glaubeebenso wie viele andere Dinge, hat "Betlehem"für uns eine tiefere symbolische Bedeutung.
Für mich geht meinGlaube nicht verloren, wenn sich herausstellen würde, dass Jesus in Nazarethgeboren ist.
"Betlehem"steht dann als Chiffre, für etwas, das nichthistorisch zu fassen ist, sondern nur im Glauben:
Dass nämlich inJesus tatsächlich der Messias geboren ist - oder wie dasEvangelium vom 4.Advent sagt: Der Immanuel.
Und damit drücktsich in ihm aus GOTT IST MIT UNS.
Diese Botschaftverbinde ich damit wenn ich Tagen - gerne - mitsinge "In Betlehemgeboren". Das ist eine Botschaft, die jenseits aller historischen Fragen, fürmich Gültigkeit hat.
Und noch ein Zweites:
Wer einmal imHeiligen Land war, weiß, dass der Ort Betlehem, nicht weit von Jerusalemgelegen, tu einem besonderen Ort geworden ist.
Schon in der altenKirche wurde er als Geburtsort Jesu verehrt - die Geburtskirchewurde in den Jahrhunderten danach über der Geburtsgrotteerbaut, und noch heute besuchen Hunderttausende von Pilgern im Jahr diesen Ort,der im abgeriegelten Palästinensischen gebiet liegt. Und viele sehen diesenBesuch dieses Ortes als greifbares Zeichen ihres Glaubens, dass Gott Menschgeworden ist, dass Gott mit uns ist.
Und so breitet sichJahr für Jahr von Betlehem ein Impuls, eine greifbareSehnsucht nach Frieden aus –
- deutlichin den Friedenslicht, das dort entzündet wird, das in alle Welt gebracht wird, unddas auch in unseren Kirchen hier im Seebachgrund zu Weihnachten da ist
- deutlich auch in den Menschen, die sich indiesen Tagen zu Weihnachten in Betlehem versammeln; dabei sind auch Kinder ausDeutschland und Österreich - auch welche hier aus unserer Region, die inIsrael, in Betlehem ein Musical zu Weihnachten aufführen werden, in deutscher,hebräischer und arabischer Sprache, und von der Botschaft singen, dass Gott inJesus Mensch geworden ist.
Wir können nun nichtmit historischer Sicherheit sagen, dass Jesus inBetlehem in einer Krippe geboren ist.
Doch das brauchtunseren Glauben nicht zu erschüttern:
Betlehem ist mehrals ein historischer Ort.
Betlehem ist eineChiffre für den Glauben,
GOTT ist MIT UNS -Gott ist in Jesus mit uns.
Und wo Menschen indiesem Glauben verbunden sind,
überall auf derWelt,
da können sie alstiefstem Herzen: „zu Betlehem geboren“.
Pfarrer Lars Rebhan
aus der Predigt zum4.Adventssonntag 2013 in Großenseebach