Romantische Orgelklänge in der Kirche Geburt Mariens
über die Restaurierung der Orgel in der Pfarrei Geburt Mariens zu Hannberg
von Andreas Hemmerlein und Hans-Dieter Wintrich
Am 3. Sonntag im Advent 2006 konnte Pfarrer Gössl die nach einer sechsmonatigen umfangreichen Restaurierung wieder hergestellte Orgel der Hannberger Kirche segnen und sie damit auch ihrer Aufgabe - Mitgestaltung der Liturgie - übergeben. Die Restaurierung umfasste nicht nur das Orgelwerk. Auch das Windsystem - der Blasebalg, die Windkanäle und deren Führung sowie die Ansaugung – und das Windladensystem mussten fast komplett neu aufgebaut werden.
Bei einer solchen umfangreichen und damit auch kostspieligen Restaurierung darf man sich schon die Frage nach Aufwand und Nutzen stellen. Zumal die Kosten einzig durch Spenden aufgebracht werden mussten.
In die Hannberger Kirche wurde 1884 von der Fa. Josef Bittner, Nürnberg, ein Orgelwerk mit 18 Registern, auf zwei Manuale und Pedal verteilt, eingebaut. Das gesamte Orgelwerk wurde, da nicht viel Platz auf der Orgelempore vorhanden ist, kompakt gebaut. Das Orgelwerk wird von einem neobarocken Gehäuse eingefasst. Die Fa. Bittner war ein renommiertes Unternehmen, das handwerklich solide und klanglich gute Instrumente gebaut hat. Dies bestätigt auch Herr Hemmerlein, der die hervorragend gelungene Gesamtrestaurierung durchgeführt hat.
Die Zeit in der die Hannberger Orgel entstanden ist und eingebaut wurde, ist - aus musikalischer Sicht - die Zeit der Spätromantik. Die Orgelbauer der Romantik waren noch echte Orgelbauhandwerker. Sie bauten eine jede Orgel als ein Unikat, das in Klang, Bau und Funktion genauestens auf den speziellen Kirchenraum eingestellt war. Romantische Orgelregister zeichnen sich durch schöne Eigenheiten im Klang aus.
Damit sollte die Frage ob sich eine solche kostspielige Restaurierung lohnt oder nicht beantwortet sein, denn die Hannberger Kirchenorgel ist eine romantische Rarität.
Warum auch immer, die Hannberger Orgel hatte sich anfangs keiner besonderen Beliebtheit erfreut. So lesen wir in der Festschrift „500 Jahre Hannberg und seine Pfarrei“:
„(…) Pfarrer Popp hatte ein neues Orgelwerk bestellt. [Das] taugt nicht viel.“
Und beinahe wäre die Orgel ein Opfer eines Neubaues geworden; denn Mitte 1968 wurden mehrere Gutachten bezüglich einer Orgelinstandsetzung erstellt.
Die Ergebnisse sind niederschmetternd, es heisst darin:
„ (…) minderwertiges Material, veraltetes, störanfälliges Traktursystem, (…) ausgeleierte Mechanik.“ Man spricht von einem „mulmigen, unartikuliertem Klang der Pfeifen“ bedingt durch ein stark „verbrauchtes“ Werk mit „wenig wertvollem Material“ und einem schlechten Windladensystem.
Fazit: Abriss und Neubau
Nur die nicht zustande gekommene Finanzierung „rettet“ die romantische Orgelrarität der Hannberger Kirche davor Opfer eines Neubaues zu werden.
Die Aufnahme des Zustandes der Hannberger Orgel aus dem Jahr 2002 zeigt, dass sich diese derzeit in einem teilweise sehr verschmutzten Zustand befindet. Ebenso muss das gesamte Pfeifenwerk generell überholt werden.
Im Zusammenhang mit der Orgelreinigung sollte das Orgelgehäuse farblich neu gestaltet werden. Die vorhandene Farbe löst sich bereits sehr stark ab und vermittelt so einen optisch sehr schlechten Eindruck. Auch die Orgelfüllungen und deren Verriegelungen müssen überholt werden, während der Intonation.
Der Klang einer Orgel wird im wesentlich durch die Intonation bestimmt. Die Intonation, das ist die klangliche Gestaltung der Orgelpfeifen, ist ohne Frage der wesentliche Teil der Restaurierung, da diese den größten Einfluß auf den Klang hat. Es sind der Stil der Orgel und die Raumakustik in diese Arbeit einzubeziehen.
Nach Abschluss der Arbeiten fällt beim ersten Spielen der Orgel der warme und weiche Klang auf. Er ist unter anderem die Folge einer sehr zeitaufwendigen Intonation.
Man kann der romantischen Rarität nur wünschen, dass sie durch regelmäßige Pflege und Nutzung ohne weitere Eingriffe erhalten wird.
Die Orgel der Hannberger Kirche ist - wenn man so will - ein Denkmal - wenn auch nur ein kleines - für den Zeitabschnitt des Orgelbaus der Romantik.
